Jeremias
Pressemeldung Pop 'n Rock

Jeremias veröffentlichen EP: Alma

Wenn eine Band aus Hannover mit einem Altersdurchschnitt von 20 Jahren angibt „Diskofunk“ zu machen, wenn sie Parcels, Tom Misch oder Men I Trust als gemeinsamen Nenner bestimmt, dann muss das Posing sein. Wenn die Fans augenscheinlich wenig Vergleichbares in ihren Playlists finden und dort ihre Songs so laut wie keine anderen mitsingen, wenn schon die erste eigene Tour fast restlos ausverkauft ist – immerhin 18 Shows im ganzen Land – und bereits vorab erste TV-Sender anklopfen, dann reichen Pose und Genre-Begriffe aber offenbar nicht aus, das Phänomen JEREMIAS zu erklären. Wer ist diese Band?
Ein Schritt zurück. Im Oktober 2019 veröffentlichen Jeremias Heimbach (Gesang, Piano), Oliver Sparkuhle (Gitarre, Synthesizer), Ben Hoffmann (Bass) und Jonas Hermann (Schlagzeug) als JEREMIAS ihre Debüt-EP “Du musst an den Frühling glauben”. Produziert hat Tim Tautorat, der zuvor mit Alben von Faber und AnnenMayKantereit von sich reden machte.  Zeilen wie “Alles gibt sich von allein” und “Regen ist Konfetti wenn du willst” bleiben unmittelbar hängen. Ganz schön naiv. Oder?
Die Band spielt erste Festivals, tourt mit Giant Rooks, OK KID und anderen. Bald schon tauchen ihre Songs in den ersten großen Spotify-Listen auf. Die Leoniden covern JEREMIAS bei Instagram in ihrem #staythefuckhome-Medley. „Grüne Augen lügen nicht“ heißt der Song. Ganz schön kitschig. Oder?
JEREMIAS sind all das. Und mehr noch. Sie sind unbekümmert, finden Funk geil. Ihr Sound ist tanzbar und sexy, reduziert und groovend zugleich. Sie leben, wie sie wollen, schreiben darüber und spielen einfach. Nicht mehr und nicht weniger.
Und damit sind sie schon jetzt sehr erfolgreich. JEREMIAS beenden am 29. Februar ihre Tour im brechend vollen Berliner Musik & Frieden. Über 400 Fans tanzen, schwitzen und liegen sich freudestrahlend in den Armen, die Aftershowparty zieht sich bis zum Morgengrauen. Was für eine Nacht! Den ganzen Monat war man unterwegs – und spätestens in diesen Wochen ist JEREMIAS ein echter Name in der hiesigen Poplandschaft geworden. Ihr schimmernder, deutschsprachiger Indie-Funk, hat ihnen in kürzester Zeit ergebene Fans beschert. Die Single „schon okay“ erscheint zur gleichen Zeit, ein Lied über den Rausch der Zweisamkeit: Willenlos und gierig zugleich. Wie von Sinnen neben sich stehend und doch voll da. Flausen im Kopf, Klopfen im Herz, geklaute Blumen in der Hand, Küsse auf den Lippen. Ein Plädoyer für die Möglichkeiten des Moments. Der Song knackt wenig später die Millionenmarke im Streaming.
Dann Corona. Während man eben noch mitten in den Planungen für die Festivalsaison war, werden bald schon Fotoshootings und Videodrehs vertagt und schließlich ganz abgesagt. „Wir befinden uns momentan alle in Quarantäne und sehen uns lediglich durch die Screens“, erzählen sie zur Veröffentlichung ihrer Single „mit mir“ Anfang April. Der Song, ein tief berührender Abschiedsmoment, ein taumelnder, atemloser Augenblick der Ohnmacht, der das schockstarre Gefühl nach einer Trennung beschreibt, erscheint ohne Video.
Doch der Song zeigt auch ohne visuellen Rahmen die Qualitäten von JEREMIAS: Während sonst komplex auskomponierte Grooves ihren Sound bestimmen, sind es Stücke wie eben „mit mir“, bei denen die Band beweist, dass sie bei aller spielerischen Finesse vor allem auch ein Händchen für große Popmomente hat: Schlicht, nackt, verletzlich und unvermittelt.
Und jetzt die zweite EP. Ein Intro, vier Songs. Alma – Die „Seele“. „Es ist eine EP über die Liebe und den Kummer. Wie theatralisch es auch scheinen mag, hat uns das maßgeblich inspiriert“, sagt Sänger Jeremias. Und natürlich geht es auch hier ums große Ganze: „Dass Olli auf dem Cover seine Augen verdeckt, liegt daran, dass wir den Hörer auffordern wollen nicht zu sehen, sondern zu fühlen.“
 
Das mit dem Einfach-nur-zuhören hat schon bei „mit mir“ funktioniert. Und in der Tat werden auch die bislang unveröffentlichten Songs „lass dich“ und „keine liebe“ nicht spurlos an einem vorüberziehen. JEREMIAS verstehen es perfekt, klug zu texten und dabei doch jede sprachliche Distanz zu vermeiden. Ihre Songs wirken unmittelbar und leicht und sind doch immer mit einem Quäntchen Wehmut versetzt.
„Ich reserviere mich für dich, vielleicht nicht jetzt, aber irgendwann dann
save alles, was ist und wir fangen später wieder an.“
Und das ist vor allem eins. Ganz schön schön, oder?
Die „Alma“-EP von JEREMIAS erscheint am 12.06. bei Caroline International.
Live:
12.06. Hannover – Autokonzert

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Fabian
Fabian
Fabian ist in der Geschäftsführung und der Redaktion von Yousic tätig. Außerdem ist er eine der Stimmen aus dem Podcast. Er wohnt in der Nähe von Oldenburg und arbeitet als Programmierer sowie DJ.
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